Leitartikel, Heft Nr. 60, November/Dezember 2000

Vermietung und Vermarktung

Aus dem In- und Ausland erhielten wir in den letzten Monaten sehr viele Anfragen von Gespannfahrern auf der Suche nach einer Gespannvermietung. Bis auf den Hinweis auf die Firma Frohnhöfer, die im Großraum München Ural-Gespanne vermietet, und die Gespannvermietung Kesseler in Neuss mussten wir alle Anfragen negativ beantworten. Dabei scheint eine Gespannvermietung durchaus eine Marktlücke zu sein. Motorrad Kesseler macht es uns vor, wie man mit einem breiten Angebot an Vermietgespannen erfolgreich sein kann. Das Argument, dass man Anfängern kein Gold-Wing- oder Hayabusa-Gespann in die Hände geben kann, ist richtig, zieht aber in diesem Fall nicht. Alle Anfragen bei uns kamen von erfahrenen Gespannfahrern, die aus nachvollziehbaren Gründen einen Untersatz auf drei Rädern suchten. Vielleicht wird ja der ein oder andere Händler demnächst auf diesem Gebiet aktiv, denn die vielen Anfragen zeigen deutlich, dass hier Bedarf besteht.

Bis auf Side-Bike und Peter Sauer nutzte keiner der etablierten Gespannhersteller die Intermot, um seine Gespanne einer breiten Weltöffentlichkeit vorzustellen. Neues gibt es hingegen auf dem Motorrad- und Zubehörsektor. Mit welchen Gespannmaschinen wir im nächsten Jahr zu rechnen haben, zeigen wir Ihnen in unserem Intermot-Rückblick ab Seite 16.

Eine Auswertung der beim Euro-Gespanntreffen abgegebenen Nennungen bestätigte wieder einmal mehr die Beliebtheit von BMW bei den Gespannzugmaschinen. 41 Prozent aller Gespanne wurden von einer BMW gezogen. Die anderen Motorradhersteller verlieren für uns Gespannfahrer langsam aber stetig an Profil. Suzuki scheint seit dem Weggang des gespannbegeisterten Vertriebsleiters auf dem absteigenden Ast bei den Gespannzulassungszahlen zu sein. Die für Gespannbetrieb nur eingeschränkt taugliche Modellpalette unterstützt diesen Trend. Abgesehen von ein paar Umbauten der Cruiser-Bikes und der schönen W 650 fehlt es bei Kawasaki an Akzeptanz. Nur die ZZ-R 1100 findet ab und zu noch einen umbaufreudigen Besitzer. Honda kann sich noch auf die ST 1100 und Gold-Wing verlassen. Die Enduro- oder Cruiserumbauten machen den Topf jedoch kaum voller. Yamaha versucht nun mit einem neuen, verkleideten Vierzylinder an die glorreichen Zeiten der FJ 1200 anzuknüpfen. Zum Glück sind neben der immer noch beliebten Vmax auch noch mit Kardan bewehrte Cruiser im Programm oder die zuverlässige XJ 900.

BMW kann sich gemütlich zurücksetzen und auf den Markt bringen, was man will: Eine BMW findet immer die Begeisterung bei den Gespannfans: Sei es nun das schwere Luxussofa K 1200 LT oder die neue F 650 GS. BMW hat Wertbeständigkeit, einen Kardanantrieb, ein modernes Motormanagement und in der Regel können die Gespannfirmen sicher sein, dass ein konzipierter Umbaukitt nicht nach 12 Monaten schon wieder zum alten Eisen gehört. Vielleicht sind das die Gründe, warum so viele Gespanne ein Motorrad mit dem weiß-blauen Emblem als Zugmaschine haben.

Martin Franitza

Redaktion Motorrad-Gespanne
Zum Sportpark 5
92237 Sulzbach-Rosenberg
Tel.: 09661/812900
Fax. 09661/812901

 

 

  Weitere Rubriken in diesem Heft: Inhaltsverzeichnis, Titelgeschichte, Nachrichten, Leserbriefe

     Weitere Hefte