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Das
kleine Schwarze
Das
kleine Schwarze hat seine Reize: Eine bezaubernde Front und eine einmalige Ansicht
von hinten. Das kleine schwarze Gespann verspricht viel Spaß. Welchen Spaß wir
mit dem Harley-Davidson-Liberty-XL-Gespann hatten, gestehen wir freimütig in einem
Testbericht.
Bereits in Motorrad-Gespanne Nr. 20 bei der Vorstellung der
amerikanischen Liberty-Beiwagen erfuhren wir von Pete Larsen, dass er an einem
Beiwagen für die Harley-Davidson-Sportster-Modelle arbeitet. Das war vor sieben
Jahren. So lange dauerte es, bis endlich ein Exemplar des Beiwagens über den großen
Teich kam. Trotz Dollar-Höchstkurs orderte Konrad Reh aus dem niederbayerischen
Reisbach ein Boot. Das außergewöhnliche Design mit dem gelungenen Heckteil hatte
ihn als Harley-Händler überzeugt.
Als Zugmaschine wählte Konrad Reh eine Sportster XLH 1200
Custom mit 21-Zoll-Vorderrad.Das Motorradfahrwerk behielt die geometrischen Serienabmessungen.
Nachlauf oder Radstand wurden nicht geändert. Die schmale Telegabel dirigiert
weiterhin das Gespann. Einen interessanten Umbau realisierte Konrad Reh jedoch
im Heck der Harley. Ein dicker Autoreifen mit der Abmessung 155 x 15 soll nicht
nur den Reifenverschleiß der Hinterhand reduzieren, sondern auch als optischen
Gegengewicht zur schmalen Front der Harley dienen. Von der Firma Lottermann ließ
er eine breite Kastenschwinge mit Exzenterverstellung der Achsaufnahme herstellen.
Um den wartungsarmen Riemenantrieb beibehalten zu können, musste er das vordere
Riemenrad mittels eines Offset-Pulleys weiter nach rechts bringen. Harley-Kenner
können das sofort an der um etwa 8 Millimeter nach versetzten Abdeckung erkennen.
Das Hinterradschutzblech wurde entsprechend verbreitert. Gleichzeitig nutzte man
nun die Gunst der Stunde und baute auch noch gleich eine PM-Vierkolbenbremse ein.
Das dicke Heck sieht nicht nur gut aus. Der Reifen liegt satt auf der Straße,
hat einen sehr gut kontrollierbaren Grenzbereich und erlaubt auch jede Art von
Kapriolen.
Mehr
oder weniger unfreiwillig wird man die ersten Meter mit dem Gespann sowieso sehr
kapriolenhaft zurücklegen. Nur sehr wagemutigen Könnern empfehlen wir keinen Ballast
im Boot. In der ersten Rechtskurve hat das Beiwagenrad mit Sicherheit keinen Bodenkontakt.
Und in langgezogenen Rechtskurven wird man ebenfalls das Profil des Seitenwagenreifens
schonen. Bei einer Spurbreite von 1140 Millimetern und einem Leergewicht von etwa
70 Kilogramm für den Beiwagen ist an der Seite so gut wie kein Gegengewicht. Man
wird sich darauf einstellen, so wie wir auch, und bald seinen Spaß daran haben.
119 Millimeter Nachlauf. Nein, sie brauchen sich noch keine
größeren Hemden kaufen aus Angst, dass sie nach einer Saison Muskeltraining am
Lenker aus Größe 41 herauswachsen. Bis zu einer Geschwindigkeit von etwa 50 km/h
ist alles easy. Mit dem Gespann kann man durch den innerstädtischen Verkehr zirkeln
ohne dabei ins Schwitzen zu kommen. Es ist wendig, lässt schnelle Spurwechsel
zu und ist so spurtreu wie ein Jagdhund. Das Wort Spurrillen gerät in Vergessenheit.
Die Einstellung von nur 200 Millimetern Vorlauf unterstützt natürlich die leichte
Lenkung. Ein Kippmoment in harten Linkskurven braucht man nicht befürchten, so
lange man nicht mit brachialer Gewalt einlenkt.
Mit
zunehmender Geschwindigkeit macht sicht der Nachlauf bemerkbar. Die Front versteift
sich zusehends und überzeugt mit einem unbeirrbaren Geradeauslauf. Lenken erfordert
nun entweder Krafteinsatz oder die Unterstützung von Gas und Bremse. Letztere
Möglichkeit ist wegen des drehmomentstarken Motors die bessere. Das maximale Drehmoment
von 87 Newtonmetern steht bei 3900 U/min an und erlaubt somit zügige Kurvenfahrten
unter Gas ohne den Schalthebel bemühen zu müssen.
...
Montage der motorradseitigen Anschlüsse
Pete Larsen versteht sich als Hersteller und Lieferant von
Beiwagen an den Motorradfachhandel. Eine ausführliche Montageanleitung liegt jedem
Beiwagen bei. Überrascht waren wir von der detaillierten Montageanleitung und
den darin enthaltenen technischen Informationen. Auch Gespannneulinge könnten
anhand der Anleitung das Gespann zusammenbauen. Die Einstellung vorgegebenen Einstellmaße
des Fahrwerkes hatten hervorragende Ergebnisse zur Folge. Kein europäischer Hersteller
kann mit einer so ausführlichen Anleitung dienen.
1.) Der hintere, untere Anschluss ...
2.)
Der vordere, untere Anschluss ...
3.) Der vordere, obere Anschluss
und der Lenkungsdämpferhalter ...
4.) Montage des hinteren, oberen
Anschlusses ...
5.) Montage der Lenkungsdämpferschelle und des
Lenkungsdämpfers ...
6.) Anfertigen des Kabelbaumes für die
Beiwagenelektrik...
Was uns gefiel:
- Design und Verarbeitung
- Heckumbau mit Beltdrive
- kalkulierbare Fahreigenschaften
Was uns nicht gefiel:
- Boot für große Passagier
zu eng
- kleiner Benzintank
- Dollarwechselkurs
Technische
Daten:
Reh/HD-Sportster mit Liberty-XL-Beiwagen
Motor: Luftgekühlter Zweizylinder-V-Motor, zwei Ventile
pro Zylinder über Stoßstangen und Kipphebel betätigt, Bohrung x Hub: 88,8 x 96,8
mm, Hubraum:1199 cm3, Leistung: 43
kW bei 5200 U/min, max. Drehmoment: 87 Nm bei 3900 U/min, Zahnriemenantrieb,
Fahrwerk:
Doppelschleifenrohrrahme, Telegabel,
verbreiterte Stahlschwinge hinten mit Harley-Davidson-Stoßdämpfern, 54 mm Federweg.
Bremsen:
Einfachscheibenbremsanlage mit
HD-Bremszange über Handbremshebel betätigt, Scheibenbremse hinten mit PM-Bremszange
hinten.
Bereifung:
Vorn:
MH 90 x 21
Hinten: 155 x 15
Abmessungen
Gespann:
Radstand: 1510 mm
Spurbreite: 1140 mm
Vorlauf: 200 mm
Vorspur: 25 mm
Nachlauf VR: 119
mm
Abmessungen
Beiwagen:
Länge: 1990 mm
Sitzbreite: 500 mm
Fußraumlänge: 1080 mm
Kofferraumvolumen:
80 l
Verdeck serienmäßig: nein
Kopfraumhöhe bei geschlossenem Verdeck: --
Sicherheitsgurte serienmäßig:
nein
Bereifung: 100/90 x 19
Federbein: Works
Federweg: 70 mm
Scheibenbremse serienmäßig? ja
Leergewicht: 75 kg
Zul. Gesamtgewicht: 230 kg
Gewichte Gespann:
Leergewicht:
300 kg
Zul. Gesamtgewicht: 580 kg
Höchstgeschwindigkeit:
ca. 130 km/h
Den ausführlichen Test mit allen Einzelheiten und Bildern
finden Sie in MOTORRAD-GESPANNE Nr. 60 ab Seite 8.
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