Leitartikel
September/Oktober
2006
KINDER,
TECHNIK UND MESSEN
Die Internationale Motorradausstellung in Köln (INTERMOT) 2006
wirft ihre Schatten voraus. Nachdem die IFMA-Nachfolgemesse
von München wieder nach Köln zurückkehrt, bleibt die Megamesse
für Gespanninteressierte weitgehend uninteressant. Auch der
Bundesverband der Gespannhersteller wird nach Bekunden des Pressesprechers
Uli Jacken auf eine Präsenz in Köln verzichten. Bis zum heutigen
Zeitpunkt sind auf der Intermot drei Gespannhersteller angemeldet:
Side-Bike, Ural und Sauer sidecars international.
Köln
steht in harter Konkurrenz zur Mailänder Ausstellung Eicma,
die nur vier Wochen später stattfi ndet. Offensichtlich konzentriert
sich die Kölner Messegesellschaft nur auf die großen und international
ausgerichteten Firmen, und dazu gehören die wenigsten Gespannhersteller.
Akzeptable
Alternativen, um die kleinen Firmen nach Köln zu holen, kann
die Messe nicht bieten. Anscheinend hat Mailand sehr gute Argumente
gegenüber manchen Motorradausstellern, die ausschließlich in
Italien präsent sein werden. Auch an die Gespannszene ging ein
lukratives Angebot aus Italien, sie konnte es aber wegen zu
geringer Vorbereitungszeit nicht in Anspruch nehmen.
MOTORRAD-GESPANNE
wird auf der INTERMOT in Köln nicht ausstellen. So bleiben für
die Gespannfahrer vor allem zwei Termine interessant: Die Ausstellung
„Faszination Motorrad“ in Sinsheim mit der größten Verkaufsausstellung
für Gespanne und das Euro-Gespann-Treffen mit rund 1000 Gespannen
am Platz. Über das vor wenigen Tagen stattgefundene E-G-T werden
wir in der nächsten Ausgabe ausführlich berichten. Wer sich
für die aktuellen Motorrad- Neuheiten interessiert und eine
der Messen besuchen will, dem empfehlen wir bei einer weiten
Anreise das Flugzeug. Schneller und preiswerter lassen sich
mehrere hundert Kilometer kaum überbrücken. Möchte man zum Beispiel
zur Eicma nach Mailand, so kostet ein Flug Frankfurt-Mailand
und zurück etwa 100 Euro. Mit dem Auto gibt man das schon für
Mautgebühren aus.
Ein
ganz anderer Punkt: Gespannfahren mit Kindern. In einer der
nächsten Ausgaben wollen wir uns wieder diesem wichtigen Thema
widmen, war und ist es für viele von uns doch der Auslöser gewesen,
in die faszinierende Welt des Gespannfahrens einzusteigen. Auch
wenn bei einigen die eigenen Kinder bereits aus dem Haus sind,
so möchten aber vielleicht bald die Enkel mitfahren. Damit alle
von unseren Erfahrungen profi tieren, bitten wir Sie um Ihre
Mithilfe. Wie ist Ihre Meinung zum Thema Kinder und Gespann?
Wie sichern Sie die Kinder im Beiwagen? Welche Tipps können
Sie für Urlaubsreisen geben? Wie ernst nehmen Sie die Helmpfl
icht bei Kleinkindern? Mit welcher Ausrüstung haben Sie gute
Erfahrungen gemacht?
Schicken
Sie uns Ihre Beiträge gerne mit Bild an die Redaktionsadresse
(siehe Leserbriefseiten). Den besten Beitrag und das witzigste
Bild honorieren wir mit jeweils 50 Euro.
Das
Problem kennen Sie bestimmt auch: Auf einer Straße mit Spurrillen
versetzt das Gespann plötzlich um einen Meter. Warum ist das
so? Wie kann man die Spurrillenempfi ndlichkeit minimieren?
Wir beschäftigen uns gerade ausführlich mit diesem brisanten
Thema und führen Fahrversuche durch. Unsere Erfahrungen und
Ergebnisse werden wir nach Abschluss sofort veröffentlichen.
Gespannt sind auch auf Ihre Meinung dazu. Schreiben Sie uns.
So,
und jetzt werde ich in meiner Garage an meinem Eigenbau- Gespann
weiter schrauben. Nach drei Jahren Bauzeit will ich endlich
damit fahren. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass dieser
Wunsch nach so langer Zeit Wirklichkeit wird. Aber diese spannende
Geschichte heben wir uns noch auf, bis wirklich alle Arbeiten
abgeschlossen sind.
Ihr

Martin Franitza
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Kampfansage
- Auszug -

...
Noch einmal Luft holen. Tief durchatmen. Anlasser drücken. Aus
der linksseitigen 4-in-1-BSM-Anlage entweicht ein tiefer Sound,
der die Vorfreude befl ügelt. Los gehts. Meine Körpergröße von
1,72 Metern könnte einen Superbike-Lenker vertragen. Für größere
Fahrer liegt die Schaltzentrale aber genau richtig. Knieschluss
und Kniewinkel passen. Man sitzt richtig im Motorrad, hat dennoch
Freiraum, schnelle Kurvenfahrten mit leichten Turnübungen zu unterstützen.
Schon bin ich auf der Umgehungsstraße. Hinein in den Kreisverkehr.
Die Avon-Reifen sind noch nicht richtig warm, haben noch nicht
den optimalen Grip. Das sollen ein paar Zwischensprints ändern.
Die
anfängliche Begeisterung potenziert sich jedoch nicht mit den
Drehzahlen. Subjektiv erwartet man von einem 1400er Motor mehr
Durchzugskraft. Vielleicht liegt es am linearen Drehmoment. Vielleicht
ist alles glattgebügelt und vermittelt deswegen den Eindruck,
dass diesem Motor ein ausgeprägter Charakter fehlt. Doch ab 6000
U/ min werden die Mundwinkel wieder breit. Dann marschiert das
Dreirad vehement vorwärts, und die 190 PS werden spürbar. Ohne
den jungfräulichen Motor in seine Grenzbereiche zu pushen, übersteigt
die Tachonadel die 200-km/h-Anzeige.
Auch
die nagelneue Bremsanlage braucht noch ihre Einfahrzeit. Die Bremsbeläge
müssen eingeschliffen werden. Langsam taste ich mich an heftige
Bremsmanöver heran. Mit dem Fußbremshebel werden alle drei Räder
verzögert, wobei der große Porsche- Stopper im Vorderrad die Hauptarbeit
übernimmt. Die Handbremse wirkt auf je einen zweiten Sattel im
Vorder- und Seitenrad. Die Gene der Bremsanlage überzeugen in
diesem Vorstadium. Sie bringen den Apparat sicher zum Stehen,
haben aber sicher nach einer Feinabstimmung das Potential zu noch
mehr Bremsleistung.
Mit Alltagsbereifung ist das ZZR-Gespann
in Verbindung mit dem RXZ-Beiwagen ein sportliches Reisegespann,
mit dem man eben mal schnell an die Côte d‘Azur brettern oder
nach Paris brettern kann. Der Beiwagen bietet für die Passagiere
die nötigen Voraussetzungen dafür. Innenraumplatz, Sitz- und Federungskomfort
sind von der Firma Stern vorgegeben. Abgas- und Geräuschverhalten
werden jedoch von vielen Faktoren beeinfl usst und müssen individuell
ermittelt werden. Geregelter Katalysator und linksseitige Auspuffanlage
führten dazu, dass wir zuerst einen Defekt an unserem CO- Messgerät
vermuteten. Aber tatsächlich können sich die Passagiere über einen
abgasfreien Innenraum freuen. Dass sich im Stopund- Go-Verkehr
eine Abgaswolke um das Gespann aufbaut und das Gerät den kaum
nennenswerten Betrag von 5 bis 8 ppm anzeigt, ist normal.
Die
ersten Fahreindrücke mit dem Kawasaki- ZZR-1400-Gespann sind positiv,
zeigen aber auch, wie aufwendig gearbeitet werden muss, um die
Motorleistung fahrwerkstechnisch sicher auf die Straße zu bringen.
Ob die Kawasaki nun tatsächlich den obersten Podestplatz einnehmen
kann, wird erst ein direkter Vergleich zeigen. Mit der gleichförmigen
Leistungsentfaltung des Motors im unteren und mittleren Drehzahlbereich
muss man sich anfreunden. Subjektiv betrachtet, kann beim Durchzugsvermögen
die Kawasaki der Hayabusa das Wasser nicht reichen...
Inhaltsverzeichnis
Juli/August
2006

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