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Die
Aerodynamik wird bei Gespannen kaum berücksichtigt. Die Hersteller entwickeln
die Form ihrer Beiwagen "aus dem Bauch heraus", und eine Stromlinienform
entspricht eher dem Geschmack des Designers als dass sie wissenschaftlichen Grundsätzen
standhalten kann.
MOTORRAD-GESPANNE
macht Schluss mit Mutmaßungen und Phrasen. Wir betrachten die Gespanne under
dem Aspekt der Aerodynamik. Achtzig
Jahre nach dem Auftauchen der ersten Stromlinienfahrzeuge sind heutige Automobile
aerodynamisch konsequent durchentwickelt. Allerdings
hat dieses Streben nach kleinem
| Bildtext, Windkanalbilder:
Im Windkanal wird das Ruko-Hayabusa-Gespann auf die Strömungsverhältnisse
untersucht. An der Rauchfahne ist deutlich zu sehen, wie die Luft den
Beiwagen umströmt. Im Heck bildet sich ein kleiner Wirbel. Aber insgesamt
ist die Form des Beiwagens sehr strömungsgünstig modelliert. Das aerodynamische
Grundkonzept des Beiwagens von Jürgen Mayer wird somit bestätigt. |
cw-Wert zu einer schablonenhaften Formgebung
geführt. Die früher so markanten „Gesichter“ der
Autos sind verschwunden, die verschiedenen Modelle oft nur noch an Details zu
erkennen. Ganz anders ist die Situation bei Motorradgespannen. Viele
Hersteller und Heimwerker verwirklichen nach Herzenslust ihre eigenen Design-
und Funktionsvorstellungen. Doch gerade bei modernen Gespannen sind für hohe Spitzengeschwindigkeiten
immer noch sehr große Motorleistungen erforderlich. Aber alles weist darauf hin,
dass dabei der Aerodynamik sehr wenig Beachtung geschenkt wird.
Den
Anstoß für die beschriebenen Messungen gab Jürgen Mayerle. Bei der Verwirklichung
seines Hayaruko-Traumgespannes (Titelgeschichte in MOTORRAD-GESPANNE Nr. 74) hat
er gezielt eigene Ideen zur Führung der Luft am Seitenwagen verwirklicht. Um das
Ergebnis bewerten zu können, wurde der Luft- und Rollwiderstand von insgesamt
zehn Gespannen ermittelt. DIE
MESSMETHODE  Das
Einmieten in einen Windkanal ist für die kleinen Gespannbaubetriebe finanziell
nicht möglich. Es gibt jedoch eine höchst einfache Methode, die auch schon die
Stromlinienpioniere in den 20er Jahren benutzt haben: Ausrollmessungen. Diese
müssen zwar wegen der Wetter- und Umweltbedingungen sehr sorgfältig durchgeführt
und bewertet werden, geben dafür aber das Fahrzeug im realen Fahrbetrieb wieder.
Insbesondere der Einfluss der in der Realität sich drehenden, in den meisten Windkanälen
dagegen stehenden Räder dürfte bei Gespannen mit den breiten, frei im Wind stehenden
Vorderrädern relativ groß sein. Das Prinzip dieser
Ausrollmessungen hat Mathias Mente in seinen Aerodynamik-Beiträgen in MOTORRAD-GESPANNE
Nr. 53 bis 56 sehr schön beschrieben, so dass es hier nicht wiederholt werden
muss. Hier sei nur noch einmal kurz die Grundgleichung für den Fahrwiderstand
in der Ebene gezeigt, und zwar in der alten, absolut nicht normgerechten, aber
äußerst praktischen Form:  Darin
sind:
| Nlr
m a0 ro A cw v |
- Luft- und Rollwiderstandsleistung in PS -
Masse des Fahrzeuges in kg inklusive des Anteil der rotierenden Massen
- Rollwiderstandsbeiwert der Reifen -
Luftdichte in kg/m³ -
Frontquerschnittsfl äche des Fahrzeuges in m²
- Luftwiderstandsbeiwert -
Geschwindigkeit in km/h | Die
Größen cw und A werden oft zusammengefasst als Faktor cw · A angegeben. Dieser
beinhaltet auch die Fahrzeuggröße und ist somit ein Maß für den gesamten Luftwiderstand,
während der Luftwiderstandsbeiwert ein Maß für die aerodynamische Güte ist.
Bei
Landfahrzeugen liegen die Zahlenwerte von cw und cw · A oft in der gleichen Größenordnung,
so dass diese leicht verwechselt werden können! Werden die konstanten Werte der
Gleichung zu Faktoren zusammengefaßt, so ergibt sich die relativ einfache Form:
Nlr = s · (v/100) + t ·
(v/100)³
wobei nun
Faktor s nur vom Rollwiderstand und Faktor t nur vom Luftwiderstand abhängig sind.
Der Geschwindigkeits- und Verzögerungsverlauf der Ausrollmessung wird mit einem
Datenspeicher aufgezeichnet und daraus die momentan wirkende Verzögerungsleistung
berechnet. Sie entspricht beim Ausrollen der Luft- und Rollwiderstandsleistung. Die
entstehenden Kurven von vier Hin- und Rückfahrtmessungen mit der Hayaruko sind
als Beispiel im Diagramm über der Geschwindigkeit dargestellt. Es sind die blauen,
unruhig verlaufenden Kurven. Darüber
ist eine Ausgleichskurve nach dem Prinzip der kleinsten Fehlerquadrate gelegt.
Dabei ist es wichtig, dass die Ausgleichskurve nur einen linearen und einen Anteil
der 3. Potenz aufweist. Es dürfen also
nicht einfach die Trendlinienfunktionen gängiger Programme verwendet werden. Die
Streuung der vier Einzelmessungen ist sehr gering, und die rote Ausgleichskurve
trifft die gemessenen Kurven sehr gut. In der Zeile Formel ist die Gleichung der
Ausgleichskurve dargestellt. Und hier
zeigt sich der Vorteil der alten Gleichungsform aus dem „Vor-Taschenrechner-Zeitalter“.
Beim Einsetzen von 100 km/h wird sowohl der Faktor (v/100) als auch der Faktor
(v/100)3 zu 1. Somit geben die ausgerechneten
Faktoren automatisch die erforderlichen Leistungen bei 100 km/h an. Aus diesen
Faktoren lassen sich nach obiger Gleichung leicht die gewünschten Werte a0 und
cw · A errechnen. Bei
der Hayaruko werden also bei 100 km/h 5,3 PS für den Roll- und 20,9 PS für den
Luftwiderstand benötigt. Bei hohen Geschwindigkeiten sinkt der Anteil des Rollwiderstandes
drastisch, so dass der Fahrwiderstand dann fast ausschließlich vom Luftwiderstand
bestimmt wird.
Nach diesem Verfahren
wurden innerhalb der letzten acht Jahre unzählige Messungen durchgeführt. Es liegt
somit eine relativ große Erfahrung bezüglich Streuung, Wetterbedingungen und sonstiger
Einflüsse (z.B. Fahrerbekleidung !) vor.
Was
ist eigentlich ein cw-Wert? Man stelle
sich ein an einem Ende geschlossenes Rohr vor, daß mit dem offenen Ende in einen
Luftstrom gehalten wird. Die eintretende Luft kann nicht aus dem Rohr entweichen
und wird bis zum Stillstand heruntergebremst. Dadurch
entsteht ein Staudruck, der durch die Bernoullische Gleichung berechnet werden
kann: P_st = ro/2 · v² Darin
sind:
| Pst
ro v
| - Stau-
oder statischer Druck - Dichte der Luft - Luftgeschwindigkeit |
Damit zeigt sich schon die wichtigste Eigenschaft
der Aerodynamik. Alle wirkenden Drücke
und Kräfte wachsen mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Der hohe Kraftbedarf bei
hohen Geschwindigkeiten ist also schon rein physikalisch vorbestimmt. Der entstehende
Staudruck übt eine Kraft F_st auf das Rohr aus, die umso größer ist, je grösser
die Querschnittsfläche A des Rohres ist: F_st
= ro/2 · A · v² Im Weiteren stelle
man sich nun seitlich in das Rohr angebrachte Bohrungen vor. Ein Teil der einströmenden
Luft kann nun durch diese Bohrungen entweichen. Der Staudruck wird nicht mehr
in vollem Umfang aufgebaut. In die Bernoulli-Gleichung wird ein zusätzlicher Faktor
eingeführt, der „Luftwiderstandsbeiwert cw“: F_st
= ro/2 · cw · A · v² Er beschreibt,
der wievielte Teil des theoretischen Staudruckes bei der Um- oder Durchströmung
eines Körpers wirksam ist. Er kann somit als aerodynamischer Gütemaßstab verwendet
werden. So wird z.B. bei einem cw-Wert von 0,3 nur 30 % des theoretischen Staudruckes
erreicht. Wie können dann aber cw-Werte
über 1 entstehen? So hat z.B. ein konventioneller Fallschirm einem cw-Wert von
1,35. Dort strömt die eintretende Luft unten teilweise wieder aus dem Schirm heraus,
und zwar gegen die Fallrichtung. Durch diese Rückströmung wird die Differenzgeschwindigkeit
der Luft größer als die Fallgeschwindigkeit, was dann einfach durch einen größer
werdenden cw-Wert berücksichtigt wird.
Im
folgenden klären wir die Frage, ob ein D-Rad-Gespann der 20er Jahre einen schlechteren
cw-Wert als ein EML-Beiwagen hat und berechnen die ketzerische Frage, ob ein modernes
Straßengespann die 200 km/h-Marke knacken kann. Die Ergebnisse sind überraschend. D-RAD
- STEIB Das
Gespann aus den Urzeiten des Seitenwagenbaus liegt mit cw=0,90 durchaus noch am
oberen Rand des Streubereiches heutiger Fahrzeuge. Die breitbeinige Sitzpo- sition,
der sehr breite Lenker und die freiste- hende Scheibe am Seitenwagen verhindern
wahrscheinlich bessere Werte. Die mittel- große Frontquerschnittsfläche und der
hohe Rollwiderstand der Stollenreifen erzeugen insgesamt recht hohe Fahrwiderstände,
was bei den verfügbaren 12 PS Spitzenleistung besonders schmerzlich sein dürfte.
MZ
ETZ 250 - MZ SUPERELASTIC Der
Luftwiderstandsbeiwert liegt mit cw =0,86 ebenfalls im oberen Bereich. Die kantige
Front der Seitenwagenhaube erzeugt wohl schon ganz vorne die ersten Wirbel. Wegen
der großen Bodenfreiheit gelangt eine große Luftmenge unter den Seitenwagen. Diese
trifft auf Höhe des Rades auf den kantigen Querträger des Rahmens, der die freie
Durchtrittsfläche erheblich vermindert. Die tiefe Sitzposition des Fahrers mit
angezogenen Knien und hohem Lenker dürfte aerodynamisch auch kein Optimum darstellen.
Durch die sehr kleine Frontquerschnittsfl äche ergibt sich aber doch noch ein
recht niedriger Gesamtluftwiderstand.
HERCULES
W 2000 - MZ/BOBBY Über dieses Gespann
liegt die meiste Erfahrung vor, weil es als Bastelobjekt in etlichen Jahren den
Spieltrieb seines Besitzers über sich ergehen lassen mußte. Es weist mit
gleichem Superelastic-Seitenwagen gegenüber dem vergleichbaren MZ-Gespann folgende
Änderungen auf: •
Lenkerverkleidung Speed 7
• MZ-Haube ersetzt durch
Vorderteil des Schöne-Linie-Bobby-Bootes • langgezogener
Seitenwagenrad-Kotflügel, enthält gleichzeitig Batterie und Staufach •
Verkleidung des Seitenwagenrahmens im Unterbodenbereich. Bei jeder einzelnen dieser
Maßnahmen war keine Verbesserung des Luftwiderstan- des meßbar. Die Summe aller
vier Umbauten zusammen scheint jedoch Wirkung zu zeigen. Der cw-Wert ist mit 0,77
rund 10% besser als bei der MZ. • In der Praxis sind
die meisten dieser Änderungen allerdings nicht spürbar. Der Einfluß von Gegen-,
Rücken oder auch Seitenwind (!) überwiegt bei weitem. •
Überraschend ist, daß der Luftwiderstand mit „Schmiermaxe“ im Boot um nur rund
10% steigt. Das Frontfoto macht aber klar, daß gerade mal Schultern und Helm des
Beifahrers über die ursprüngliche Kontur hinausragen und die Frontquerschnittsfläche
nur um eben diese 10% ansteigt. Der Luftwiderstandsbeiwert bleibt fast gleich.
•
Auffällig ist der starke Einfluß der Fahrerbekleidung. Er scheint sich hier aber
durch die ungünstige Luftströmung besonders stark auszuwirken. Von der oberen
Kante der Cockpitverkleidung ausgehend, teilt sich der Luftstrom vor dem Fahrerhelm.
Nur ein Teil fließt wie gewollt nach oben weg. Der andere Teil wird nach unten
geleitet. Der im Winter zuerst auskühlende Brustbereich des Fahrers sowie
auf die Oberseite des Tanks geklatschte Mückenlarven im Sommer bestätigen dies
eindrucksvoll. Diese Luft fließt dann seitlich unter den Armen hindurch nach hinten,
wodurch wohl der große Kleidungseinfluß entsteht. Ein Teil der Luft fließt jedoch
sogar über den Tank hinweg nach vorne, wie ein gelöster, nach vorne unter die
Cockpitscheibe flatternder Spanngurt verriet.
• Eine
zusätzlich auf die Cockpitscheibe gesetzte nur 15 cm hohe Scheibe senkte den Luftwiderstand
um 5%. Beugt sich der Fahrer dann noch leicht an die Scheibenkante vor (nicht
liegend) fällt der Luftwiderstand sogar um 9%! Der Fahrer sitzt also hier zu weit
von der Scheibe entfernt und ragt zu weit über diese hinaus. Vermutlich ist das
auch bei vielen anderen Verkleidungen der Fall. Es darf nicht der Fehler gemacht
werden, die einzelnen Verbesserungen zu addieren, also z.B.: Lederlacke -7%
und kleine Zusatzscheibe -5% gibt in Kombination eine Verbesserung von 12%. Wenn
nämlich durch die hohe Scheibe weniger Luft in den Tankbereich kommt, wird auch
der Einfluß der Kleidung nicht mehr so groß sein. Wegen dieser Wechselwirkungen
sind Vorhersagen über die Wirkung von Änderungen sehr schwierig. BMW
R 60 - URAL Als
Naked Bike durchaus vergleichbar, fällt der mit cw=0,72 um 16% bessere Wert gegenüber
der MZ auf (gleicher Fahrer mit gleicher Kleidung). Der glattflächig ver- kleidete
Motorblock der BMW, das im Ver- hältnis zur Länge flache Ural-Boot und die Sitzposition
des Fahrers wirken sich wohl positiv aus. Eine Scheibe am Seitenwagen bei gleichzeitig
entfernter Abdeckplane verschlechtert den cw-Wert um 10%. Zusammen mit der größeren
Frontquerschnittsfläche ergibt sich damit ein um 19% höherer Gesamtluftwiderstand.
Dies kostet bei 100 km/h rund 3,5 PS! Der SW-Passagier sitzt zudem relativ weit
hinter der Scheibe. Wenn die Erfahrung mit der Cockpitscheibe an der Hercules
übertragbar ist, sitzt er voll in der Wirbelschleppe der Scheibe. Damit ist der
Sinn einer solchen Scheibe vollends fraglich. Wie ist die Erfahrung von Beifahrern?
BMW
R 100 - WASP GELÄNDE Wie
erwartet, erreicht das Geländegespann mit stattlichen cw=1,08 den absoluten Höchstwert.
Der am Seitenwagen innerhalb des Haltebügels montierte Stein- schlagschutz stellt
eine im Wind stehende Platte dar, der dahinter auch noch die kan- tige Alu-Sitzkiste
folgt. Da die Frontquerschnittsfläche aber mit A=1,28 m2 fast das niedrige
MZ-Niveau erreicht, ist der Luftwiderstand cw*A sogar noch im Mittelfeld zu finden.
Fairerweise muß natürlich gesagt werden, daß der Sinn eines solchen Fahrzeuges
nicht ist, stundenlang hohe Dauergeschwindigkeiten auf Autobahnen zu fahren.
BMW
R 100 RT - EML TOUR Eine
unerwartete Überraschung ergab sich beim beliebten Tourengespann der 80er Jahre.
Das Fahrzeug wurde vom Besitzer meist ohne das SW-Dach gefahren. Eine rundumlaufende
Scheibe umgibt den Seitenwagenpassagier. Auch hinter der Sitzlehne ist vor der
Kofferraumklappe eine Heckscheibe mit gleicher Höhe vorhanden. In diese
tiefe Sitzhöhle wirbelt es offenbar kräftig hinein, denn der ermittelte cw-Wert
von 0,95 lag enorm hoch. Durch Aufsetzen des 30 cm hohen Stoffdaches er- höhte
sich die Frontquerschnittsfl äche um 10%. Der cw-Wert sank jedoch gleichzeitig
so stark ab, dass sich der Gesamtluftwiderstand cw*A um 9% verminderte!
BMW
K100 RS - SCHÖNE LINIE TWISTER Die
Vollverkleidung der BMW K-RS macht einen kompakten, glattflächigen Eindruck und
umschließt dennoch in der Frontansicht den Fahrer zum größten Teil. Die ansteigende
Linie des Twister-Seitenwagens erinnert fast ein bißchen an die keilförmigen Lotus-Rennwagen
der 70er Jahre. Bei unbesetztem Seitenwagen unterbricht auch die ebenfalls
ansteigende Abdeckplane die- se Linie nicht. Lediglich die Frontscheibe steht
frei im Wind. Es wird ein cw-Wert von 0,78 erreicht. Diese Kombination scheint
eine gute Basis für niedrigen Luftwiderstand zu sein. Ohne die freistehende Scheibe
wäre möglicherweise ein noch niedrigerer cw-Wert erreichbar gewesen.
BMW
K 1100 LT - EML GT 2000
Diese Kombination
stellt den Spitzenrei- ter an Leistungsbedarf. Satte 570 kg Mess- gewicht mit
Fahrer und eine mit einem VW Käfer vergleichbare Frontquerschnittsfl äche von
1,8 m² ließen nichts anderes erwarten. Ein verhältnismäßig hoher cw-Wert
von 0,87 verschärfte die Situation noch.
SUZUKI
GSX 1100 G - EML GT 2001
Bei ähnlich
hohem cw-Wert wie die BMW K 1100 LT erreicht das unverkleidete Mo- torrad mit
dem gleichen Seitenwagen einen entsprechend der geringeren Frontquer- schnittsfläche
geringeren Gesamtluftwi- derstand.
EML
GT Sowohl mit Naked Bike als auch mit
Vollverkleidung werden mit dem EML GT 2000/2001 nur unverhältnismäßig hohe cw-Werte
erreicht. Der Seitenwagen hat also vermutlich einen nicht unerheblichen Anteil
daran. Dies überrascht zunächst mal, da doch gerade der GT so glattflächig aussieht.
Lediglich die steile Frontscheibe und die nach links gezogene spitze Nase
fällt auf. Strömungen um eckige oder gar spitze Kanten sind in der Strömungslehre
höchst unerwünscht. Aber ob das so viel ausmachen kann?
SUZUKI HAYABUSA-RUKO SCHÖNE LINIE
F1 Da das F1-Boot ursprünglich ein
Einzelstück bleiben sollte, setzte Schöne Linie bei der Konzeption des Prototyps
ohne Rücksicht auf Kosten und Aufwand folgende Punkte zur Aerodynamikverbesserung
um:
- Lange glatte Flächen sorgen dafür, dass der Luftstrom
sauber an der Karosserie anliegt
- Durch die spitze
Form des Bootes wird die Luft auch zur Seite verdrängt
-
Minimaler Zwischenraum zwischen Motorrad und Boot
-
Lufteinlass unten links, um die Luftwirbel zwischen Motorrad und Boot zu beruhigen
- Luftabrisskante bei offenem und geschlossenem
Verdeck
- Frontflügel für Abtrieb
-
Diffusor für Abtrieb
- Lufteinlass unten rechts
zur Kühlung der Seitenwagenbremse
- Lufteinlass
unten mittig zur Kühlung von Katalysator und Auspuff
-
Lufteinlass oben rechts und links zur Belüftung des Innenräume
|
Es kam also neben der reinen Luftwiderstandsverminderung
vor allem auch auf eine Minimierung des Auftriebes an, was bei den zu erwartenden
hohen Geschwin- digkeiten sicherlich eine wichtige Sache ist. Durch glückliche
Umstände war es möglich, das Gespann in einem Windkanal zu vermessen. Das
Boot erzeugte hierbei sogar einen Abtrieb. Der bei den Vergleichsmessungen ermittelte
cw-Wert liegt mit 0,78 an der unteren Grenze der ermittelten Werte. Die zerklüftete,
rechts neben dem Vorderrad vollkommen frei im Wind liegende Radaufhängung mit
der riesigen Bremsanlage und dem großen Federbein dürfte jedoch kräftige Wirbel
erzeugen, so daß die eigentlichen Qualitäten des Bootes möglicherweise etwas überdeckt
werden. Für die späteren RF1 Serienboote wurden aufgrund des schon erwähnten
Bauaufwandes der Unterboden und die Proportionen verändert, so dass die Ergebnisse
nicht direkt darauf übertragbar sind.
INTERESSANT
SIND AUCH DIE FOLGENDEN AUSWIRKUNGEN: 
 ÜBERSICHT
Im Diagramm „Fahrwiderstand Motorradgespanne“
sind zum direkten Vergleich nochmals die Fahrwiderstandskurven aller gemessenen
Gespanne über der Geschwindigkeit dargestellt (siehe unten). Es bilden sich zwei
voneinander entfernt liegende Bereiche aus.
- Im dem Unteren finden sich die MZ, die Hercules und die BMW/Ural.
Diese holen sich den Vorteil des geringeren Luftwiderstandes aber nur durch geringe
Frontquerschnittsfl ächen, hauptsächlich wegen des fehlenden Dachaufsatzes.
-
Der obere Bereich stellt das Streuband von modernen Gespannen dar, die durchweg
größer und schwerer geworden sind. Die obere Grenze bildet das Luxus-Tourengespann
BMW K - EML GT2000.
An der unteren Grenze liegen fast deckungsgleich die
Hayaruko und BMW K - Twister. Beide Seitenwagen kommen aus dem Schöne-Linie-Stall,
in dem wie schon erwähnt der Aerodynamik große Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Dies scheint sich auszuzahlen. | Im
Mittel liegen die Luftwiderstandsbeiwerte cw bei ca. 0,8. Damit ist man auf dem
Stand von Automobilen der 1920er Jahre. Ob man je die Werte von heutigen Autos
erreichen wird, erscheint fraglich, da schon die Grundform eines Gespanns (breit,
hoch, relativ) kurz eine auserst ungunstige aerodynamische Voraussetzung darstellt.
Deutliche Verbesserungen mussten dennoch im Bereich des Moglichen liegen. Sie
sind auch dringend notwendig, wie eine genauere Analyse von Detailergebnissen
zeigt. Wie auch aus der Praxis bekannt, sind
fur hohe Geschwindigkeiten hohe Leistungen erforderlich. Diese konnen nun aber
genauer quantifiziert werden. Fur 120 km/h braucht z.B. das grose BMW-K-LT Gespann
rund 50 PS am Hinterrad, das erfordert etwa 58 PS am Motor. Auch bei modernen
Motoren kann man in diesem Betriebsbereich mit einem Wirkungsgrad von hochstens
30% rechnen. Das entspricht einem spezifischen Verbrauch von 210 g/PSh. Damit
mus das grosse Gespann bei einem Schnitt von echten 120 km/h aber 14 l/100 km
verbrauchen! Bei der aerodynamisch gunstigeren BMW K RS mit Twister-Seitenwagen
ist der entsprechende Verbrauch mit 11,6 l/100 km schon spürbar günstiger.
Überdeutlich stellt sich der mit
steigender Geschwindigkeit stark steigende Leistungs- bedarf im Verbrauch dar.
Bei nur 10 km/h niedrigerer Durch- schnittsgeschwindigkeit (110 km/h) sinken die
entsprechenden Verbrauchswerte auf 12,1 l/100 km bei der K-LT und 9,9 l/100 km
bei der K-RS. Die manchmal berichteten Monsterverbrauche sind also durchaus glaubhaft.
GRENZE
DER LEISTUNGSÜBERTRAGBARKEIT Im
Diagramm sind neben der ermittelten Fahrwiderstandskurve noch die in den sechs
Gängen am Rad zur Verfugung stehenden Leistungen der .Hayaruko" aufgetragen:
Die Fahrwiderstandslinie schneidet sich
mit dem Leistungsangebot bei 185 km/h. Dies ist die theoretische Höchstgeschwindigkeit
des Gespannes bei Windstille in der Ebene. Nun hat man das Gespann aber schon
mit Tacho 220 gesehen. Wie paßt das zusammen? Bei diesen 185 km/h zerren
die 145 Pferde mit einer Längskraft von 2080 N (212 kg) am Hinterreifen.
Auf dem Hinterrad lastet eine Gewichtskraft
von 2450 N (250 kg). Der Reifen hat also in diesem Zustand einen sogenannten Reibwert
ƒÊ von 2080/2450 = 0,85. Die Linie des ƒÊ = 0,85 Wertes ist ebenfalls im Diagramm
eingezeichnet. Bei diesem Reibwert hat der Reifen aber laut Kennlinie schon einen
Schlupf von über 12%. Das Hinterrad dreht also bei diesen realen 185 km/h
mit über 207 km/h! Da das Tachosignal
am Getriebe abgenommen wird, liegt also die genannte Tachoanzeige durchaus im
Bereich des Möglichen. Unnötig zu erwähnen, das der Reifen das
nicht lange mitmacht. Spinnen wir diese Geschichte aber mal weiter. Fur
echte 210 km/h wären 205 PS am Hinterrad notwendig. Die dazu notwendige Motorleistung
von ca. 240 PS konnte möglicherweise schon in naher Zukunft verfügbar
sein. Dann aber ware der Hinterreifen mit ƒÊ=1,05 belastet. Das ist jedoch das
Alleräuserste, was ein Reifen unter optimalen Vorraussetzungen bringen kann.
Wahrscheinlicher ist aber, das das Rad schlichtweg durchdreht. Die
Leistung kann nicht mehr ubertragen werden. Schnelle Gespanne haben ihre Grenzen
erreicht. Die (wirkliche) 200-km/h-Grenze ist vermutlich noch von keinem Straßengespann
geknackt worden. Wahrscheinlich wird diese Vermutung heise Diskussionen auslösen.
Es sind drei Möglichkeiten denkbar,
um diese Grenzen weiter hinauszuschieben:
- Deutliche Erhöhung des Gewichtes auf dem Antriebsrad.
Eine höchst unerwünschte Lösung für das ohnehin schon nicht
gerade leichte Gespann.
- Permanenter Seitenwagenantrieb:
Ist mit einem großen Zusatzaufwand verbunden, der die Getriebeverluste und
das Gewicht erhöht und zusätzlichen Raum im Bootsbereich beansprucht.
- Verminderung des Luftwiderstandes: die eleganteste
Lösung.
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Zusammenfassung
- Die Luftwiderstandsbeiwerte der gemessenen Gespanne liegen
im Bereich von cw=0,72...1,08 und sind damit absolut unzeitgemäß.
-
Häufig verbreitete niedrige Cockpitscheiben sind bei normaler Fahrerposition wirkungslos
und können bei Rückwirbelbildung sogar nachteilig sein.
-
Freistehende Frontscheiben am Seitenwagen verursachen heftige Wirbel und verschlechtern
die Aerodynamik deutlich. Sind sie zu weit vorne angebracht, ist auch die eigentliche
Schutzwirkung fraglich.
- Die häufig beobachteten
sehr hohen Verbrauchswerte werden durch die schlechte Aerodynamik verursacht.
Sie sind keineswegs unrealistisch.
- Hochgeschwindigkeitsgespanne
sind an der Grenze ihrer Leistungsübertragung angelangt. Eine weitere Steigerung
der Geschwindigkeit wird bei konventionellen Konzepten nur durch eine Verbesserung
der Aerodynamik möglich sein.
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