|
Für die innige Verbindung von Motorrad und Beiwagen sorgen Anschlüsse.
Seit der Erfindung des Beiwagens haben die Konstrukteure ihrem Erfindungsgeist
freien Lauf gelassen. Aber viele Anschlußkonzepte verschwanden genau so schnell
wieder in der Versenkung wie sie dem Geistesblitz eines Gespannbauers entsprungen
waren. Generell war jedoch die Grundidee immer eine
möglichst schnelle Trennung von Motorrad und Beiwagen. Durchgesetzt in Deutschland
hat sich die Erfindung der Kugelkopfanschlüsse für unten von Walter Stoye. Sie
werden auch heute noch verwendet.
| Peter
Sauer verwendet beiwagenseitig Vierkantbrieden und setzt maschinenseitig ebenfalls
Vierkantaufnahmen. | |
Die beiden Streben, die nach oben führen, werden fast
einheitlich mit Flachbolzen verschraubt. Im Gegensatz zu früher unterliegen Anschlüsse
heute keiner Norm mehr. Nicht ohne Grund haben sich einige Hersteller, vor allem
die Produzenten von größeren Serien, von den früher gängigen Anschlüssen entfernt
und ihre eigenen Systeme entwickelt. Insbesondere
beiwagenseitig gibt es heute eine Vielzahl von Möglichkeiten: Plattenanschlüsse
(EML, EZS), Vierkantbrieden (jewell, Sauer), einfache oder doppelte Rohrschellen
(Hedingham oder Watsonian/Squire) oder sogar verschweißte Anschlüsse, so dass
Motorrad und Beiwagen eine homogene Einheit bilden (Reichler).
| Manchmal
geht es nicht anders, aber solche Umlenkungen sollte man vermeiden. |
|
Durch die unterschiedlichen Systeme ist es ohne weiteres
nicht mehr möglich, den Beiwagen an ein anderes als vom Gespannhersteller vorgesehenes
Motorrad zu schrauben. Zudem wird die Eigenbastelei erschwert, da entweder Originalanschlüsse
passend zum Umbaukitt des Motorrrads verwendet oder gänzlich neue Verbindungen
angefertigt werden müssen. Auch wenn die Anschlüsse
demontierbar sein sollten, so ist deren weitere Verwendung bei einem anderen Motorrad
nicht sichergestellt. Die Engländer wie Watsonian/Squire verwenden Schrauben mit
Inselmaßen, Hedingham hochfeste, feinzöllige Schrauben und Helmut Walter montiert
Schrauben mit größeren Durchmessern, die an den gängigen Anschlussteilen nicht
passen. Motorradanschlüsse Für uns wichtig
sind im Rahmen dieses Beitrages jedoch Anschlüsse, die dem engagierten Bastler
und Eigenbauer ausreichend Spielraum geben, Beiwagen und Motorrad mit gängigen
Teilen zusammen zu bauen. Vor allem für beliebte Gespannzugmaschinen, die auch
gern für Eigenbauprojekte verwendet werden, wie zum Beispiel BMW-Zweiventilboxer
oder Moto Guzzi, gibt es maschinenseitig komplette Bausätze inklusive Hilfsrahmen.
Bei Moto Guzzi wird in der Regel vorn unten ein Hilfsrahmenteil
verwendet. Eine längere Motorachse gehört zum Lieferumfang. Der Anschluss selbst
kann ein Kugelkopf oder Flachbolzen sein. Unterhalb des Steuerkopfes montiert
man heute eine Doppelschelle. Als hinteren, unteren Anschluss gibt es einen einfachen
Kugelbolzen, der mit der Rahmen/Fußrastenträgerplatte verschraubt wird.
| Dieser
komplette motorradseitige Anschlusskitt mit allen Kleinteilen gehört für die Kawasaki
W 650. Komplette Anschlusskitts bietet die Firma MOTEK auch für Yamaha VVS 650,
Moto Guzzi und MZ-Zwei- und Viertaktmotorräder an. |
|
Ohne Abstützung auf die linke Rahmenseite können bei
diesem einfachen System Rahmenrisse an dem nach hinten führenden Rahmenausleger
auftreten. Besser ist dann die Montage eines Kugelkopfes auf dem Schwingenlagerbolzen
(Walter) oder ein komplettes Hilfsrahmenteil wie es zum Beispiel EZS im Programm
hat. Hilfsrahmen inklusive Anschlüsse für den ambitionierten
Schrauber gibt es bei Peikert/ Bauhs oder Stern. Während Peikert für die unteren
Anschlüsse Kugelbolzen mitliefert, sind es bei Stern Flachbolzen. Hinsichtlich
der Anschlussteile ist Peikert/Bauhs die erste Adresse für ausgefallene Wünsche,
insbesondere wenn es sich um ältere Motorräder bis zurück in die 50er Jahre handelt.
Für einige wenige japanische Bikes und Triumph liefert
Motek auch einzelne Komponenten. Lagerware sind zum Beispiel Kits für Kawasaki
W 650, Triumph Bonneville und Kawasaki VN 800-Modelle. Beiwagenseitige Anschlüsse
Die Art der Anschlüsse am Beiwagen ist durch die Rahmenkonstruktion vorgegeben.
| Die
einfache Art am Motorrad-Anschlüsse unterzubringen sind Schellen. Die hintere
Doppelschelle gehört bei Moto-Guzzi-Motorrädern unter den Steuerkopf. |
|
Manche Fahrgestelle haben Steckenden für die beiden
unteren Anschlüsse (zum Beispiel Dnepr, Ural, Carell TR 500, Walter TR 500) und
Flachbolzen (oder entsprechende Schraubaufnahmen) für die beiden oberen Anschlüsse.
Entsprechende Teile in verschiedenen Abmessungen liefern die Hersteller von Anschlussteilen
wie zum Beispiel Peikert/Bauhs, Stern, Motek, Mobec oder Stein. Die
gängigste Abmessung für Steckenden hat einen Durchmesser von 32 Millimetern. Sonderanfertigungen
mit einem Durchmesser von 34 oder 36 Millimetern sind möglich. Ob man dann am
Ende ein Kugelmaul (Steib- Standardmaß 30 Millimeter) oder einen Flachbolzen verwendet,
bleibt dem Hersteller überlassen bzw. ist durch die maschinenseitigen Anschlüsse
vorgegeben.
| Kugelbolzen
gibt es bereits als Achse in verschiedenen Längen. Lieferbar sind auch Aufschraubköpfe
bzw. Anschweißkugeln. | |
Wichtig bei der Auslegung der Anschlüsse ist eine möglichst
gerade Verbindung der Streben mit dem Standardgewindemaß M 18 x 1,5 zwischen Motorrad
und Beiwagen. Das gilt auch für die oberen Anschlussstreben. Sie sind lieferbar
in gestuften Abmessungen und haben in der Regel an beiden Enden Gabelköpfe zur
Aufnahme von Flachbolzen. Für die Verschraubung verwendet
man hochfeste Schrauben mindestens in der Qualität 8.8. Die Verwendung von Kreuzschellen,
um zum Beispiel den hinteren Anschluss eines Ural- Beiwagens weiter nach vorn
zu legen, um ihn mit einer BMW kompatibel zu machen, ist eine oft gesehene Lösung.
Besser und stabiler ist jedoch, die entsprechende Halbschelle mit dem Fahrwerk
zu verschweißen.
| Flachbolzen
sind in verschiedenen Schaftlängen lieferbar. |
|
Nur so ist sie gegen Verdrehen gesichert. Kleinteile
- Ersatzteile Durch das Produkthaftungsgesetz und das neue Gewährleistungrecht
sind die meisten Hersteller nicht gerade begeistert, Einzelteile an Eigenbauer
abzugeben. Aber oftmals sieht man gerade bei einem Großserienhersteller wie EML
oder EZS eine Anschlusslösung, die man gern an seinem Eigenbaugespann realisieren
würde. Hier müssen wir darauf hinweisen, dass alle
Komponenten auch im Rahmen der Ersatzteilversorgung lieferbar sein müssen, auch
wenn man dann einen entsprechend höheren Preis kalkulieren muss.
| Diese
Anschlussbrieden verwendet man gern, wenn Beiwagen- und Motorradanschluss nicht
in einer Flucht oder ziemlich eng beiander liegen. Der zu überbrückende Abstand
sollte nicht zu groß sein. So eine Winkellösung versucht man gern bei einem BMW-Motorrad
mit Ural-Beiwagen zu realisieren. Das System ist jedoch meist labil. |
|
Und... Generell sollte man keine Edelstahlschrauben
für Fahrwerksteile verwenden. Chrom- Nickel-Legierungen sind nicht für dynamische
Belastungen definiert und die können in den Anschlusssystemen auftreten. Auch
wenn die Praxis der letzten Jahre zeigt, dass mit Edelstahlschrauben bislang noch
keine Probleme aufgetreten sind, so sollte man gerade bei einem Eigenbau auf Nummer
sicher gehen.
| Die
oberen Klemmanschlüsse des Velorex-Beiwagens , die hier rechts zu sehen sind,
haben an modernen Gespannen nichts zu suchen. |
|
Grundsätzlich sind Qualitätsschrauben der Mindestgüte
8.8 oder höher zu verwenden. Schrauben der Güte 10.9 oder 12.9 sollte man nachträglich
nicht galvanisch behandeln. Das Material kann spröde werden. Die Vielzahl neuer
Gespannzugmaschinen in den letzten 20 Jahren hat die Anschlussmethoden geändert.
Dem engagierten Schrauber bleibt auch heute nichts anderes übrig, als auf die
gängigen Systeme der Vergangenheit zurückzugreifen. Zum Glück haben noch einige
wenige Hersteller hier ein offenes Ohr für den Gespannfahrer. |