| „Winininininänänäää - klick!“ So spricht
zu uns ein verhungernder Anlasser. Der durchschnittlich pannengeprüfte Gespannfahrer
wird nun auf eine leere Batterie tippen und zunächst entweder das Ladegerät anschließen
oder das Motorrad anschieben – was eigentlich dasselbe ist, denn ein fahrendes
Motorrad sollte, wenn die Elektrik in Ordnung ist, die Batterie aufladen. 
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rechts: Große PKW-Ladegeräte (rechts) verkürzen die Lebensdauer von Motorradbatterien
drastisch. Besser sind kleine Steckerlader (links) oder das Zwischenschalten einer
automatischen Ladebegrenzung (Mitte). Das Zwischenschalten von Glühlampen zur
Ladestrombegrenzung, wie man es manchmal liest, funktioniert übrigens nicht. Doch
die Ursache für den Anlasser-Streik kann auch an anderer Stelle liegen. An einer
defekten Lichtmaschine beispielsweise oder einem kaputten Regler. Der Kupferwurm
kann aber auch schlicht in dreckigen oder oxidierten Steckkontakten zwischen Batterie,
Anlasser-Relais und Anlasser stecken – wann haben wir das letzte Mal die Batteriepole
sauber geschabt? 
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rechts: Als die Anschlüsse der Akkuzellen noch
einzeln herausgeführt waren, erfanden unsere Vorfahren sinnvolle Zellenprüfer,
die die Spannung unter Belastung maßen. Letztlich
wird der Wunsch keimen, über den Zustand der Batterie im Klaren zu sein: Ist sie
wegschmeißreif? Oder gehört sie einfach nur nachgeladen? Diese Kenntnis kann uns
bis zu 100 Euro für einen unnötigen neuen Akku sparen. Gerüchte
Wie man eine Batterie prüft, darüber kursieren an Motorrad-Stammtischen die
wildesten Gerüchte. Manche empfehlen Prüfl ämpchen. (Das Birnchen leuchtet aber
auch noch bei fast toter Batterie.) Andere erzählen etwas von Säurehebern. (Mißt
die Säuredichte im Akku, funktioniert aber nur theoretisch.) Dritte wieder halten
einen Draht zwischen die Batteriepole und beurteilen anschließend den Zustand
der Batterie an der Größe ihrer Brandblasen auf den Fingern. Wer wirklich Ahnung
hat, erzählt etwas von Ladungsmenge und Entlade-Versuchsreihen. (Dauert viiiel
zu lang.) Wir brauchen aber eine Prüfmethode,
- a) sicher,
- b) genau und
- c)
schnell ist.
Zwei Dinge benötigen wir dafür:
- Eine Stoppuhr; es geht auch der Sekundenzeiger
der Armbanduhr.
- Ein Digitalvoltmeter. Das ist
ein Meßinstrument, das elektrische Spannung nicht per Skala und Zeiger anzeigt,
sondern über Zahlen wie ein Taschenrechner. Hat den Vorteil, daß auch Werte hinter
dem Komma sehr genau abgelesen werden können. In der billigsten Variante gibt‘s
die Dinger für etwa 10 Euro im Elektronik-Bastelladen, teurer müssen sie für unsere
Zwecke auch nicht sein. Die Investition lohnt sich, denn das Gerät brauchen wir
immer wieder in der Motorrad-Elektrik, zum Beispiel zum Lichtmaschine prüfen oder
Regler messen.

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rechts: Analoge (links) und digitale Messgeräte. Für den Batterietest eignen
sich am besten letztere. Das
eigentliche Prüfen der Batterie geht jetzt einfach und schnell:
- 1. Batterie bleibt im Motorrad eingebaut. Sitzbank oder Seitendeckel
abnehmen, damit wir leicht an die Pole herankommen.
- 2.
Meßbereich am Voltmeter auf 20 Volt (Gleichspannung, DC) stellen. Prüfkabel an
den Batteriepolen anklemmen. Die Anzeige wird nun je nach Ladezustand des Akkus
zwischen 11 und 13,2 Volt betragen, vielleicht auch ein bißchen höher, wenn‘s
dem Stromspeicher ganz gut geht. Den abgelesenen Wert notieren.
- 3.
Jetzt Zündung und Fernlicht anschalten (Motor bleibt aus!) und sofort das Meßgerät
beobachten. Die Spannung wird jetzt sinken, und es gibt drei Möglichkeiten:
- 3.1.
Die Voltzahl fällt um lediglich 0,3 bis 0,4 Volt ab und verändert sich dann kaum
noch. Bingo! Die Batterie ist intakt und geladen!
- 3.2.
Die Spannung sinkt stärker als 0,4 Volt innerhalb von fünf bis zehn Sekunden (hierzu
brauchen wir die Stoppuhr): Die Batterie ist tiefentladen, kann aber noch gerettet
werden (siehe unten).
- 3.3. Die Spannung bricht
sofort nach Einschalten von Zündung und Fernlicht zusammen, sinkt also um mehr
als 2 Volt: Mindestens eine Zelle des Akkus ist hinüber. Wir können ihn jetzt
zum Experimentieren in die Werkstatt stellen, als Schnittmodell zersägen oder
zum Problemmüll tragen. Im Gespann hat er nichts mehr verloren.
Was
lernen wir daraus? Der Zustand einer Zelle oder Batterie läßt sich nur unter
Belastung messen. Mit unserer Messung erhalten wir eine verläßliche Aussage
über den derzeitigen Zustand der Batterie. Über Lebensdauer und tatsächlich verbliebene
Ladungsmenge bzw. Kapazität wissen wir damit noch nichts, aber es reicht, um über
die Zukunft des Stromspeichers zu entscheiden. Je
kleiner das Ladegerät, desto besser Damit sind
wir beim Laden. Tritt nämlich der oben beschriebene Fall 3.2 ein, so sollte die
Batterie geladen werden. Faustregel dabei: Je kleiner
das Ladegerät, desto besser. Ein Akku sollte nämlich
maximal mit einem Strom geladen werden, dessen Wert einem Zehntel der Batteriekapazität
entspricht. Beispiel: Eine Batterie besitzt eine Kapazität von 14 Amperestunden
(Ah). (Das steht auf dem Gehäuse.) Dann darf sie mit einem Strom von höchstens
1,4 Ampere geladen werden. Diese Ladestrombegrenzung
besitzen entweder nur sündteure elektronische Ladegeräte oder eben Mini-Steckerlader
für 10 Euro, die zu klein sind, um überhaupt mehr Strom liefern zu können. Mit
diesen Geräten lädt man übrigens auch eine neue Batterie nach Einfüllen der Säure
nach, bevor man sie ins Mopped baut. Wer sich außerdem
Arbeit ersparen will, montiert eine Steckdose ans Motorrad und schließt sie über
eine 15-Ampere-Sicherung an die Batteriepole an. Über diese Dose kann man dann
nicht nur den Akku in eingebautem Zustand laden, sondern auch noch Lichtstrom
abzapfen, zum Beispiel beim Zelten. Merke: Voraussetzung
von Wissen ist Messen. Alles andere ist glauben.
| Batterie prüfen: Einfachste Messung
des Batterie-Zustandes bei hoher Genauigkeit. Batterie ist im Motorrad eingebaut.
Digital-Voltmeter wird an beide Batteriepole angeschlossen, Bereichswahl auf 20
Volt DC (Gleichspannung). Stoppuhr griffbereit. | | Schalterstellung | Messanzeige
bei 12-Volt-Bordnetz | Schlussfolgerung |
| Zündung und Licht aus | 11
– 13,2 V | Schwankung zwischen 11 und 13,2 je nach
Ladezustand. Messwert notieren! | | Zündung
und Fernlicht an | sinkt um 0,3 – 0,4 V | Batterie
intakt | | Zündung und Fernlicht an |
sinkt stärker als 0,4 V innerhalb von 5 - 10 Sekunden | Batterie
tiefentladen. Laden mit max. 1/10 der Kapazität (z.B. 1 A bei 10 Ah Batteriekapazität) |
| Zündung und Fernlicht an | sinkt
sofort um mehr als 2 V | Mindestens 1 Zelle ist sulfatiert.
Batterie defekt. | |