| Jeder hat sie schon in der Hand gehabt. Viele haben
schon über die kryptischen Bezeichnungen gerätselt: Die Schraube das unbekannte
"Wesen". Welche Schraubentypen gibt es? Welches
Material, welche Festigkeit sollte beim Motorradgespann verwendet werden? Im Gegensatz
zu Schweiß-, oder Nietverbindungen sind Schraubverbindungen lösbar. Schrauben
sollen die zu verbindenden Teile mit so großen Kräften zusammenspannen, daß die
Teile ohne sich zu verschieben bei allen Beanspruchungen ausreichend stark aufeinander
gedrückt werden. Das klingt zunächst nach Binsenweisheit,
hat aber durchaus große Bedeutung: Schraubverbindungen sind auf Zugbeanspruchung
und nicht auf Scherung ausgelegt. Hohe (Zug-)Spannung in der Schraube ist die
beste Sicherung gegen Lockerung. Ist die Schraube bereits gelockert, wird sie
auf (unzulässige) Scherung beansprucht. Das kann böse enden! Allgemein
sind ISO-metrische Schrauben üblich. Das heißt die Gewindeabmessungen sind nach
DIN 13 genormt. Sind nun alle ISO-metrischen Schrauben beliebig untereinander
austauschbar? Prinzipiell ja, es ist aber noch das Material und die Festigkeit
zu beachten. Die Bezeichnung der Schrauben setzt sich zusammen aus:
| 1. Schraubennamen
2. Gewindebezeichnung, ggf. Feingewinde 3. Länge in mm 4. Norm
5. Festigkeitsklasse 6. ggf. Material und sieht dann beispielsweise so aus:
Sechskantschraube
M12 x 1,5 x 80 DIN 960 | Die Erklärungen
der Reihe nach: Schraubennamen
Im Fahrzeugbau werden üblicherweise Sechskant-, oder Zylinderschrauben
verwendet. Bei den Zylinderschrauben wird noch zwischen Innensechskant und Schlitz
unterschieden . Für einzelne besondere Einsatzfälle bei denen eine geringe Bauhöhe
erforderlich ist, sind Flach-, oder Senkkopfschrauben vorgesehen. Gewindebezeichnung
M steht für metrisches Gewinde. Die
wichtigsten Gewindeabmessungen sind definiert durch den Nenndurchmesser in mm,
sowie der Gewindesteigung in mm je Umdrehung. Im
obigen Beispiel liegt also ein metrisches Gewinde vor mit Nenndurchmesser 12 mm
und einer Steigung von 1,5 mm (Feingewinde). Die Steigung wird normalerweise nur
für Feingewinde angegeben. Das normale M12 Gewinde hat eine Steigung von 1,75
mm. Feingewinde bieten durch die höhere Anzahl der Gewindegänge eine größere Zugfestigkeit.
Feingewinde dürfen nicht in weichen Metallen, wie Aluminium verwendet werden.
 Schraubenlänge
Die Längenangabe bezieht sich immer
nur auf die Länge des Gewindes. Schraubennorm
In der Norm sind Form und Ausführung
des Schraubenkopfes und alle Abmessungen festgelegt. Festigkeitsklasse
Diese Angaben finden wir auf dem Schraubenkopf
eingeprägt. Im Fahrzeugbau werden nur Schrauben der Festigkeitsklasse 8.8 oder
höher (10.9, oder 12.9) eingesetzt. Die erste Zahl multipliziert mit 100 ergibt
dabei die Mindestzugfestigkeit ?B in N/mm2. Die Bezeichnung
8.8 bedeutet also, dass die Schraube mit einer Zugspannung von mindestens 800
N/mm2 belastet werden kann, bis sie bricht. Eine Schraube mit M12 Gewinde hat
eine Querschnittsfläche von 74,3 mm2. Multipliziert man die Querschnittsfläche
mit der angegebenen Zugspannung ergibt sich daraus in diesem Fall eine maximale
Zugbelastung von 59440 N. Diese Zahl stellt jedoch
einen eher theoretischen Wert dar. Wäre die Belastung im Betrieb tatsächlich so
hoch, würde die Schraube überdehnt und unbrauchbar. Daher wird als zweite Größe
noch die Streckgrenze ?S angegeben. Als Streckgrenze
wird die Belastungsspannung angegeben, die maximal zu einer bleibenden Dehnung
von 0,2% führt. Die zweite Zahl hinter dem Punkt gibt dann das 10fache des Verhältnisses
Streckgrenze zu Mindestzugfestigkeit an. Wie so oft gilt auch hier: Je größer,
desto besser. Material
Standardmaterial für 8.8 und 10.9 Schrauben
ist Stahl mit niedrigem oder mittlerem Kohlenstoffgehalt und Zusätzen (DIN 898
Teil 1). Für 12.9 Schrauben wird legierter Stahl verwendet. Die
Oberflächen werden durch verschiedene Veredelungsverfahren, wie beispielsweise
brünieren oder verzinken, bis zu einem gewissen Grad Rost geschützt. Dass dieser
Schutz oft nicht von Dauer ist, wissen wir nur allzu gut. Aluminium
Aluminium-Schrauben werden grundsätzlich
eloxiert. Diese Eloxierung schützt zusätzlich gegen Korrosion und wird in verschiedenen
Farben angeboten. Der Gewichtsvorteil von etwa 60% gegenüber Stahlschrauben ist
nur mit Vorsicht zu genießen: Die Streckgrenze liegt
je nach Legierung um 25...50% unter der von Stahlschrauben. Damit bleibt der Einsatzbereich
auf Motordeckelschrauben oder ähnlich gering beanspruchte Stellen beschränkt.
Im Schrauber-Alltag überwiegen die Nachteile: Schraubenköpfe
werden leichter rund gedreht, die Bruchgefahr ist grösser, und das Gewinde muss
mit Grafit eingestzt werden, da es sonst frißt. Interessant sind Aluschrauben
eigentlich nur für Leute, die es gern farbig lieben. Titan
Absolute Beständigkeit gegen Witterungseinflüsse,
40% Gewichtsvorteil, Zugfestigkeiten bis zu 1250 N/mm2 und eine Streckgrenze von
800 N/mm2 würden Titan zum idealen Schraubenwerkstoff machen. Mit
etwa 6 Euro für eine M6 x 30 Innensechskantschraube ist Titan allerdings extrem
teuer. Für die Einsparung eines Kilogramms müßten einige tausend Euro investiert
werden. Edelstahlschrauben
Edelstähle weisen geringere Verunreinigungen
durch Phosphor, Schwefel und nichtmetrische Einschlüsse auf. Schrauben und Muttern
aus nichtrostenden Stählen werden durch Buchstaben und Zahlen gekennzeichnet.
Beispiel: A2-70. A steht dabei für austenitische
Stähle. Es gibt noch die Bezeichnungen C für martensitische-, und F für ferritische
Stähle. Damit werden verschiedene Stahlgefüge bezeichnet. A2
ist eines der meist gebräuchlichsten Werkstoffe aus denen nichtrostende Schrauben
und Zubehörteile gefertigt werden. A4 ist bezüglich Korrosionsbeständigkeit ein
höherwertiger Werkstoff als A2. Man spricht häufig auch von den Marken-Bezeichnungen
"NIRO", "NIROSTA", "INOX", und von der Materialbezeichnung "Chrom-Nickel-Stahl"
wenn man Edelstahl im allgemeinen meint. Die nachfolgenden
Zusatzzahlen kennzeichnen die mechanischen Eigenschaften. Besonders beachtenswert
sind hier wieder die Festigkeitsklassen. Abweichend von DIN 898 Teil 1 werden
Schrauben aus nichtrostenden Stählen in den Festigkeitsklassen 50, 70 und 80 gefertigt.
Die Angabe A4-70 auf dem Schraubenkopf bedeutet dann eine Zugfestigkeit von 700
N/mm2. Edelstahlschrauben dehnen sich allerdings
stärker als Schrauben aus Standard-Stahl. Mit einer Streckgrenze von 450 N/mm2
liegen diese Schrauben noch unterhalb einer handelsüblichen 8.8 Schraube (Tabelle
1). Dies muss bei der Verwendung berücksichtigt werden. Hochbelastete Teile wie
Bremswiderlager sollten nicht durch Edelstahlschrauben gehalten werden. |